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Fluglärmforum Süd
Plattform der Gemeinden und Städte im Süden des Flughafens Zürich

Stellungnahme zum Objektblatt Flughafen Zürich des Sachplan Infrastruktur Luftfahrt (SIL)

Sehr geehrte Damen und Herren

Als von den Südanflügen direkt Betroffene nehmen wir von unserem Recht Ge­brauch, im Rahmen der Bevölkerungsanhörung zum Objektblatt Flughafen Zürich wie folgt Stellung zu nehmen:

1.    Wir begrüssen ausdrücklich, dass im Konzeptteil des SIL festgehalten wird, dass die nachfrageorientierte Entwicklung der Landesflughäfen nicht mehr uneingeschränkt erfolgen kann, "sondern nur soweit mit den Grundsätzen der Nachhaltigkeit in Einklang" stehen.

Gleichzeitig erwarten wir, dass der Bundesrat und das Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) diesem Grundsatz folgt, auch dann, wenn zum Beispiel wirtschaftliche Interessen vom Flughafen Zürich geltend gemacht werden.

Nachhaltig einen Flughafen betreiben, heisst, die Bevölkerung vor unnötigen Lärmimmissionen schützen.

2.    Die Festlegung zur Reduktion der Umweltbelastung auf S. 10 ist wie folgt zu ergänzen (kursiv): "Die Möglichkeiten technischer Fortschritte, die zum Lärmschutz beitragen, sollen konsequent ausgeschöpft werden, sobald sie anwendungsreif sind."

Sind technische Fortschritte zur Kapazitätssteigerung am Flughafen gegenüber technischen Fortschritten zum Lärmschutz für die Bevölkerung abzuwägen, sollen immer die Interessen der Bevölkerung für mehr Lärmschutz im Vordergrund stehen.

3.    Wir verlangen eine Befristung der regelmässigen Südanflüge auf Piste 34 bis maximal 31. Dezember 2015. Auf sie soll verzichtet werden, sobald und soweit die Varianten Eopt-s und Jopt-s nach Abschluss eines Staatsvertrags mit Deutschland oder einer vergleichbaren Regelung mit dem Nachbarstaat zur Verfügung stehen. Gleiches gilt dann, wenn der Gekröpfte Nordanflug als Ersatz zur Verfügung steht - auch dann, wenn der Gekröpfte Nordanflug aus technischen Gründen nicht die gleiche Kapazität erreicht wie die Südanflugregelung.

4.    Südstarts zur Kapazitätssteigerung sind jetzt im SIL-Objektblatt richtigerweise ausgeschlossen. Wir erwarten, dass der Bundesrat dies rechtsverbindlich formuliert, damit ausgeschlossen werden kann, dass dereinst das Objektblatt anders interpretiert werden kann.

5.    Wir fordern, dass die festgelegten Abflugrouten tagsüber grundsätzlich bis zu einer Höhe von mindestens 8000 Fuss einzuhalten sind. Das Verlassen der Abflugroute ab 5000 Fuss, wie im Objektblatt festgehalten, ist zu streichen. Denn damit würde der Lärmfächer für die Bevölkerung unter der Abflugschneise noch breiter. Die Höhenfestlegung hilft mit, den am Boden wahrnehmbaren, störenden Lärm zu kanalisieren. Eine Höhe von mindestens 8000 Fuss ist dazu besser geeignet und flugtechnisch absolut vertretbar.

6.    Wir verlangen, dass im Nahbereich des Flughafens auch im Südsektor längs der Abflugrouten zwingend zu überfliegende Wegpunkte festgelegt werden, um die Streuung der Flugspuren zu minimieren. Der Satz zu den Bedingungen, unter denen die Abflugrouten verlassen werden können (Ziff. 4, S. 12, Objektblatt) ist entsprechend zu ergänzen.

7.    Wenn dem einzelnen Piloten gestützt auf das SIL-Objektblatt und dem daraus abgeleiteten Betriebsreglement verbindliche Vorgaben gemacht werden, wie er anzufliegen hat, kann dies zur Lärmminderung beitragen. Wir verlangen deshalb, dass der Continuous Descent Approach (CDA) und andere Massnahmen, welche flugtechnische Lärmbekämpfungsmöglichkeiten darstellen, in das Objektblatt an der richtigen Stelle einfliessen.

8.    Das Bedürfnis der Bevölkerung nach Nachtruhe ist auch in Sondersituationen höher zu gewichten, als das wirtschaftliche Interesse des Flughafens, Verspätungen so grosszügig wie möglich abbauen zu können. Daher ist ein Verspätungsabbau zwischen 23.30 Uhr und 00.30 Uhr (Festsetzung S. 10 und Text S. 19) zum Beispiel bei besonderen Wettersituationen oder bei Störungen im europäischen Luftverkehr aus dem Objektblatt zu streichen. "Besondere Wettersituationen" und insbesondere auch "Störungen im europäischen Luftverkehr" können leicht geltend gemacht werden und sie sind schwer zu überprüfen.

9.    Wir verlangen, dass der Flughafen verpflichtet wird, auf eigene Kosten passive Schallschutzmassnahmen (Schallschutzfenster und -lüfter) in den Wohnungen und Häusern im Südanflugkorridor zu installieren, bzw. den Eigentümern, welche solche Massnahmen bereits auf eigene Kosten getroffen haben, die Kosten bis und mit dem Jahr 2000 rückwirkend zurückzuerstatten.

Im Sinne des Vertrauens gegenüber den Bundesbehörden erwarten wir, dass unsere Forderungen und Vorschläge ernsthaft geprüft werden und dass wir darüber informiert werden, wie und wann die einzelnen Forderungen und Vorschläge in den Entscheidungsprozess einfliessen, bzw. basierend auf welchen Argumenten sie gegebenenfalls nicht berücksichtig werden.

Mit freundlichen Grüsse